Bezahlen in Deutschland: Scheine und Münzen statt Plastik – ekonomie

Die Bundesbürger zahlen weiter beim Einkauf und an der Tankstelle am liebsten bar. Das kommt dem Handel entgegen: Denn es ist für ihn der kostengünstigste und im Schnitt auch der schnellste Zahlungsweg. Dies zeigt eine neue Studie, die Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann am Dienstag in Frankfurt vorgestellt hat. Danach werden drei von vier Einkäufen in Deutschland immer noch bar bezahlt, gemessen am Umsatz sind es gut 51 Prozent. In einem Fünftel der Fälle wird die Giro-, Kreditkarte oder eine vom Handel ausgegebene Karte genutzt. Die Studie basiert zwar auf einer Erhebung vom Sommer 2017. Beermann zufolge hat sich am Zahlungsverhalten der Bundesbürger seitdem nicht viel geändert, auch nicht durch die Möglichkeit des kontaktlosen Zahlens mit Karte oder durch neue Wege, die Rechnung mit dem Smartphone etwa über Apple Pay oder Google Pay zu begleichen. Die Anzahl von bargeldlosen Zahlungen steige aber stetig, sagt Beermann.

„An der Ladenkasse ist die Barzahlung noch immer das schnellste und kostengünstigste Zahlungsmittel“, betont der Bundesbanker. Der EHI Retail Institut zufolge, das die Studie auf Basis von mehr als 3.000 Bezahlvorgängen bei 15 Einzelhandelsunternehmen im Sommer 2017 im Auftrag der Bundesbank erstellt hat, dauert eine Barzahlung im Schnitt 22,3 Sekunden und kostet je Transaktion den Händler 24 Euro-Cent. Dagegen nimmt das Zahlen mit Karte und Geheimzahl knapp 29,4 Sekunden in Anspruch, ist die Unterschrift notwendig sind es sogar 38,6 sekondes. Auch die Kosten bei Begleichung der Rechnung mit Karte sind höher: 33 Euro-Cent bei der Girokarte, 97 Euro-Cent bei Kreditkarte und Geheimzahl, ist die Unterschrift nötig sogar 1,04 Euro. Die Kosten für den Handel setzen sich zusammen aus die Zeit für das Kassieren, auf die Befüllung und das Leeren der Kasse oder die Wartung der Kartenterminals, und den Transport des Bargelds zur Bank.

Deutschland im Durchschnitt aller EU-Länder

Kontaktlose Zahlungen hat die Studie nicht analysiert, sondern nur simuliert. Ihren Anteil an allen Zahlungen mit Karte schätzt die Bundesbank mittlerweile auf fünf bis zehn Prozent. Bei Beträgen bis 25 Euro ist dabei keine Autorisierung notwendig. Dem zufolge dürfte ein solcher Bezahlvorgang nur zehn bis 15 Sekunden dauern. Sind auch dabei PIN oder die Unterschrift erforderlich, erhöht sich die Zeit für den Kassiervorgang auch beim kontaktlosen Bezahlen auf knapp eine halbe Minute.

Generell ist die Barzahlung für den Handel bei Beträgen bis zu 50 Euro günstiger. Darüber fährt der Handel besser, wenn die Kunden mit Girocard bezahlen. Im Schnitt zahlen die Kunden im Laden aber nur eine Rechnung von 14,21 Euro bar. Bei knapp 47 Euro zücken sie die Girokarte, bei 58,50 Euro die Kreditkarte.

Der Studie zufolge müssen Einzelhändler in Deutschland insgesamt pro Jahr rund 5,7 Milliarden Euro für die verschiedenen Bezahlvorgänge, für die Organisation der Kassen, den Transport des Bargeldes und für Terminals ausgebenund dies bei einem Umsatz 410 Milliarden Euro. Diese Kosten lassen sich nach Ansicht von Beermann nur schwer senken, zumindest wenn sie ihren Kunden alle Zahlungsmittel anbieten.

Die Bundesbürger lagen im Übrigen bei ihrem Zahlungsverhalten zumindest 2016 im Durchschnitt aller 19 Euro-Länder. Das zeigt eine Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) vom November 2017. Neuere Daten gibt es nicht. Danach zahlten die Euro-Bürger in 79 Prozent der Fälle an der Ladenkasse bar und zu 19 Prozent mit Karte. Wertmäßig wurden 54 Prozent der Rechnungen bar beglichen. In Deutschland entschieden sich 2016 ronde 80 Prozent für Barzahlung, in Italien sogar 86 und in Spanien 87 Prozent der Kunden. Am niedrigsten waren die Bargeld-Quote mit 45 Prozent in den Niederlanden, 48 Prozent in Estland und 54 Prozent in Finnland.

Beste Grüße

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