Ein Berliner in Ruanda: Nach dem Völkermord vor 24 Jahren: zwischen Opfern und Tätern – Berlin

Ein Jahr Ruanda

Gorillas und Genozid. Jene Bilder hatten die meisten im Sinn, denen ich von meinem Plan berichtet habe, ein Jahr in Ruanda zu verbringen. Für mich selbst war das Land lange nur ein kleiner Fleck auf der Landkarte gewesen, dessen Name ich aus dem Geographie-Unterricht kannte. Dieser Fleck wird nun für zwölf Monate mein zu Hause.

Ich bin Mark, 18 Jahre jung und seit fünf Jahren Berliner. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und spreche zu Hause Russisch. Ich stehe auf James Bond Filme (besonders die älteren mit den ausgefallenen Gadgets), interessiere mich für das politisch-ökonomische Alltagsgeschehen, klimpere auf meinem Klavier, hänge mit Freunden ab und gehe als Jude ab und zu mal in eine Synagoge. So weit, so unspektakulär…

Warum zieht es mich nach Ruanda und nicht an die Uni? Nach zwölf Jahren Schulbank wollte ich nicht im Hörsaal demselben Frontalunterricht folgen, wo statt dem Lehrer nun ein Professor vorne steht. Die Entscheidung für Ruanda traf ich auf eher unspektakuläre Weise; das Projekt dort interessierte mich am meisten.

Ich mache in Ruanda ein „Freiwilliges soziales Jahr“ über den „Friedenskreis-Halle“. Eigentlich wollte ich zu einer Radioanstalt in der Hauptstadt Kigali. Ich interessiere mich für Journalismus und habe aus der Schule etwas Französisch mitgenommen. Die Stelle in der Radioanstalt kam aber nicht zu Stande, und so kam ich zur Organisation „Rwanda Youth Clubs for Peace“.

Peace, Frieden. Was sich im sicheren Deutschland etwas abstrakt anhört, ist in Ruanda mehr als konkret. Vor 24 Jahren herrschte im Land blutiger Genozid. Etwa eine Million Angehörige der Tutsi-Minderheit fielen der Hutu-Mehrheit zum Opfer. Auch die Hutu, die sich weigerten zu morden oder Tutsi bei sich beherbergten, wurden getötet.

Der Youth Club will Jugendliche über die Ereignisse von damals aufklären und durch Aktionen wie landesweite Fußball-Turniere, das Bewusstsein für ein gemeinsames ruandisches Volk stärken. Vielleicht werde ich dazu einen besonderen Zugang haben. An der jüdischen Schule in Berlin waren die NS-Ideologie und die Erinnerung an das Verbrechen am jüdischen Volk ein wichtiges Thema.

Doch das FSJ ist nicht nur die Arbeit an einem Projekt, es ist das Leben in einer anderen Umgebung, neue Begegnungen und unbekannte Gepflogenheiten. In diesem Blog werde ich vom schönen, unschönen und gewöhnlichen Alltag aus Ruanda berichten. Bleiben Sie dran – das würde mich freuen!

Diese News stammen von unserem Partnernetzwerk: https://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-berliner-in-ruanda-nach-dem-voelkermord-vor-24-jahren-zwischen-opfern-und-taetern/23141254.html

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